Am 7. Juli 2026 hat der Ulmer Lyriksommer in Kooperation mit dem Internationalen Donaufest Ulm einen weiteren Lyrikabend organisiert – dieses Mal mit Autorinnen und Autoren aus der Slowakei.

Die Veranstaltung trug den Titel „Junge Lyrik aus der Slowakei“, der an die von Michal Tallo herausgegebene gleichnamige Anthologie (danubebooks, 2025) angelehnt ist. Mit Tallo und zwei der beteiligten slowakischen Autorinnen – Anna Siedykh und Veronika Dianišková – sprach Literaturwissenschaftlerin Renáta Pavlová (Universität Regensburg), die den Abend moderierte. Übersetzerin war Davida Schauer.

Das Private ist politisch – Junge slowakische Lyrik zwischen Krieg, Klima und gesellschaftlicher Verantwortung

Mit der Lesung und spannenden Diskussionen setzte der Ulmer Lyriksommer seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Internationalen Donaufest fort. Die beiden Partner begrüßten das Publikum zu einem Abend, der zeigte, wie eng persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Entwicklungen in der zeitgenössischen Lyrik miteinander verbunden sind.

Unter dem Leitgedanken „Das Private ist politisch“ standen die slowakischen Autorinnen Siedykh und Dianišková sowie der Dichter und Anthologie-Herausgeber Tallo im Mittelpunkt. Gemeinsam mit der Literaturwissenschaftlerin Renáta Pavlová von der Universität Regensburg und der Übersetzerin Davida Schauer gaben sie Einblicke in die junge slowakische Gegenwartslyrik.

Den Abend eröffnete Verleger Thomas Zehender (danube books), der die slowakische Literatur seit Jahren in seinem Programm pflegt. Dabei betonte er die besondere Bedeutung der Lyrik: „Lyrik erweitert den Horizont“! Dies sollte sich im Verlauf des Abends eindrucksvoll bestätigen.

Anna Siedykh schreibt ihre Gedichte sowohl auf Ukrainisch als auch Slowakisch. Ihre Texte kreisen um Krieg, Flucht und Fremdheit und zeigen Sprache als Ort des Erinnerns und Schutzes. In ihren zweisprachigen Gedichten treten beide Sprachen in einen Dialog. Im Gespräch wurde deutlich, wie unterschiedlich sich Schmerz, Verlust und Hoffnung in beiden Sprachen artikulieren und wie die sprachliche Distanz dazu beitragen kann, traumatische Erfahrungen in Worte zu fassen.

Veronika Dianišková widmet sich in ihren Gedichten ökologischen und sozialen Fragen. Häufig lässt sie die Natur selbst sprechen, während der Mensch, meist in Klammern gesetzt, erscheint – ein originelles Bild für das menschliche Versagen im Umgang mit Natur und Umwelt. In ihren Gedichten über Obdachlosigkeit verleiht sie den Menschen am Rand der Gesellschaft eine Stimme und macht sie dadurch sichtbar, ohne ins Pathetische abzugleiten.

Im Gespräch mit Renáta Pavlová standen die poetischen Konzepte beider Autorinnen sowie die gesellschaftliche Verantwortung der Literatur im Mittelpunkt. Diskutiert wurde die Frage, wie sich Kriegserfahrungen überhaupt noch poetisch ausdrücken lassen.

Michal Tallo, selbst Lyriker und Herausgeber der Anthologie, machte deutlich, dass seine Auswahl die Vielfalt der jungen slowakischen Lyrik sichtbar machen sollte. Die versammelten Gedichte spiegelten unterschiedliche poetische Formen wider und setzten sich zugleich mit zentralen Themen der Gegenwart auseinander.

Die abschließende Diskussion griff das Leitmotiv des Abends auf: „Das Private ist politisch“. Persönliche Erfahrungen lassen sich für die AutorInnen nicht von politischen Entwicklungen trennen. Deutlich wurde, dass engagierte Poesie weit über den ästhetischen Ausdruck hinausreicht: Sie ist Zeugnis, Kunstform, Herausforderung und Einladung zur Reflexion – und nicht zuletzt ein Widerstand gegen Ohnmacht. Gedichte schärfen den Blick auf die Gegenwart.

Diese Lyriksommer-Veranstaltung wurde von Dichter dran e.V. in Kooperation mit dem Internationalen Donaufest Ulm / Neu-Ulm organisiert. Sie wurde u.a. von der Baden-Württemberg-Stiftung im Rahmen des Literatursommers 2026 sowie von der Stadt Ulm gefördert, und fand am 7. Juli 2026 im Erlebnisraum m25 in Ulm statt.

Comments are closed