Das Schweizer Lesefest mit Ilma Rakusa und Regina Dürig bot das nächste Highlight des Ulmer Lyriksommers – einen ebenso vielschichtigen wie spannenden Dialog zwischen Erfahrung und Aufbruch, zwischen bewährter Meisterschaft und frischem Blick.

„Steigen dunkle Gedanken auf, verscheuche ich sie: mit einem Gramm Poesie“ (Ilma Rakusa)

Mit Zeilen aus Ilma Rakusas Buch „Wo bleibt das Licht“ begrüßte Christine Langer das Publikum zum Schweizer Lesefest im Kunstverein. Mit den eingeladenen Autorinnen Ilma Rakusa und Regina Dürig trafen zwei Schweizer Schriftstellerinnen aufeinander, die mit viel Gespür für Sprache als Erkenntnisraum auf unterschiedliche Weise die Möglichkeiten und Grenzen literarischen Ausdrucks erkunden.

Ilma Rakusa, vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin, stellte aus „Wo bleibt das Licht“ vorwiegend Gedichte vor. In Tagebuchnotizen und Prosaskizzen reflektiert sie in diesem Werk politische und gesellschaftliche Gegenwart ebenso wie persönliche Erinnerungen und kulturelle Erfahrungen. Ilma Rakusas Schreiben bewegt sich zwischen Analyse und individueller Empfindung. Das Private und das Politische erscheinen nicht als Gegensätze, sondern als ineinander verschränkte Perspektiven. In vielen Passagen durchzieht den Text die Frage nach Hoffnung und Orientierung – ohne Antworten zu geben. Das konsequente Festhalten an Menschlichkeit und Mitgefühl erscheint dabei als eine Haltung, die den Unsicherheiten der Gegenwart etwas entgegensetzt. 

Regina Dürig las aus ihrem Erzählband „Frauen und Steine“. In den pointierten, erzählerisch freien Geschichten erkundet sie weibliche Lebensentwürfe zwischen Widerstand und Selbstbehauptung. Ihre Texte richten den Blick auf das Übersehene, Verdrängte, und verbinden Recherche und Fiktion mit erzählerischem Witz. Im Autorinnengespräch wurde Schreiben als ein Dialog zwischen literarischer Verdichtung und experimenteller Offenheit thematisiert. Neben Ilma Rakusa beschäftigt sich auch Regina Dürig in ihrem Erzählband mit literarischer Verknappung – ein Ansatz zum lyrischen verdichtenden Arbeiten. Ilma Rakusa sprach über Orte, die sie mit Licht verknüpft: Das Schweizer Lesefest war ein lichter, sehr bereichernder Abend, resonanzstark und gehaltvoll.

Das Lesefest wurde von Christine Langer moderiert und von Michael Stadler am Flügel musikalisch umrahmt.

Das Schweizer Lesefest wurde von Dichter dran e.V. in Kooperation mit dem Kunstverein Ulm im Rahmen des Ulmer Lyriksommers 2026 organisiert. Er wurde von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, der Baden-Württemberg-Stiftung im Rahmen des Literatursommers 2026 sowie von der Stadt Ulm gefördert. Die Veranstaltung fand am 19. Juni 2026 im Kunstverein Ulm statt.

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