Ein Bericht zur Doppellesung »Ich atme leis im Duft der Linde« mit Marco Kerler und Moritz Grevel im Aegis-Garten.
Unter dem Motto „Ich atme leis im Duft der Linde“, einer Zeile aus einem Gedicht von Friedrich Rückert, lud der Ulmer Lyriksommer am 29. Juli 2026 zu einem Literaturabend in den Aegis-Garten ein. Die Zeile erwies sich als passendes Sinnbild für einen Sommerabend, an dem Literatur, Natur und Autorengespräche vor vollem Haus auf stimmige Weise miteinander verschmolzen. Die Moderatorin Christine Langer führte durch den Abend und sprach mit den beiden Autoren über ihre Texte, ihre Schreibprozesse und ihre persönlichen Zugänge zur Literatur. Zu Gast waren zwei Autoren aus der Region, die auf unterschiedliche Weise von ihren literarischen Wurzeln und ihrem Schreiben erzählten: der neue Förderpreisträger der Stadt Ulm in der Sparte Literatur, Moritz Grevel, sowie der Ulmer Lyriker Marco Kerler, dessen Gedichtband „Bernsteinliebe“ kürzlich erschienen ist.


Moritz Grevel stellte einen bislang unveröffentlichten Prosatext vor, der das Publikum mit seiner dynamischen Sprache, seinem feinen Humor und seinen gesellschaftlich relevanten Themen beeindruckte. Im Autorengespräch ging es um die Entstehung des Textes, den Weg von der ersten Idee bis zur Entwicklung der Figuren sowie um Fragen nach Männlichkeitsbildern, jugendlicher Sprache und der Verbindung von Humor und Ernst. Auch seine Schilderungen des Studiums des Literarischen Schreibens und Kulturjournalismus in Hildesheim gaben spannende Einblicke in die Entstehung literarischer Texte. Zum Abschluss berichtete Moritz Grevel, welche Bedeutung der Förderpreis der Stadt Ulm für ihn persönlich hat und welche Perspektiven sich dadurch für sein literarisches Schaffen eröffneten.


Einen anderen Ton schlug Marco Kerler mit seinen Gedichten an. Bereits zum zweiten Mal war er beim Ulmer Lyriksommer zu Gast. Seine Texte kreisen um Liebe, Sehnsucht, Nähe und Verletzlichkeit und zeichnen sich durch eine klare, unmittelbare Sprache aus. Im Gespräch mit Christine Langer standen die Entstehungsanlässe seiner Gedichte, die Frage nach Sprachlosigkeit und die Rolle der sozialen Medien im Mittelpunkt. Marco Kerler erzählte von seiner Freude an Gelegenheitsgedichten, die aus spontanen Begegnungen entstehen und Menschen unmittelbar ansprechen. Diese Idee setzt er um, indem er mit seiner Schreibmaschine spontan Gedichte für Passanten verfasst und dabei alltägliche Begegnungen poetisch aufgreift. Das Motto des Abends „Zurück zu den Wurzeln“ bot Anlass, über seine lyrischen Anfänge und seine Motivation zu sprechen.


Die Lesungen machten deutlich, wie unterschiedlich Literatur klingen kann: Während Moritz Grevel gesellschaftliche Entwicklungen mit erzählerischer Präzision und pointiertem Witz in den Blick nimmt, richtet Marco Kerler den Fokus auf die leisen Töne menschlicher Beziehungen und die Kraft einfacher Worte. Diese Gegensätze verliehen dem Abend seinen besonderen Reiz. Das zahlreiche Publikum verfolgte die Lesungen und Gespräche mit großer Aufmerksamkeit. Der Ulmer Lyriksommer erwies sich einmal mehr als Forum des literarischen Austauschs und zeigte, dass Literatur in persönlichen Erfahrungen wurzelt und zugleich über das Individuelle hinausweist.


Diese Lyriksommer-Veranstaltung wurde von Dichter dran e.V. in Kooperation mit Aegis organisiert. Sie wurde von der Baden-Württemberg-Stiftung im Rahmen des Literatursommers 2026 sowie von der Stadt Ulm gefördert. Die Veranstaltung fand am Mittwoch, den 29. Juli 2026, im Garten des Café Aegis in Ulm statt.







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