Mit einer beeindruckenden szenischen Lesung zur ersten Liebe des Dichters Bertolt Brecht – Paula Banholzer – endete im Einsteinhaus der Ulmer Lyriksommer 2025. Julia Moßburger hatte dazu ein kurzweiliges Programm gestaltet, das teils auf den Erinnerungen Banholzers basierte, teils Gedichte und Lieder von Brecht umfasste. Begleitet wurde Moßburger vom Kirchenmusiker Benedikt Ofner am Flügel. Ein starkes Finale des Ulmer Lyriksommers, das vom Publikum begeistert gefeiert wurde.

„Das Schicksal des Menschen ist der Mensch“ und: „Ohne Freiheit geht das Leben rückwärts.“ – mit diesen Brecht-Zeilen begrüßte Christine Langer, Kuratorin des Ulmer Lyriksommers, das Publikum zur szenischen Lesung mit Texten von und zu Bertolt Brecht.

Die Freiheit hat Brecht großgeschrieben. Als einer der einflussreichsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts erschuf er ein unvergängliches Werk. Doch fast so bemerkenswert wie sein Werk sind die Frauen, die es geprägt, begleitet und mitgestaltet haben. Ohne Frauen wären viele seiner Texte, Ideen und Inszenierungen nicht denkbar gewesen. Von Paula Banholzer über Helene Weigel bis Ruth Berlau: Sie waren nicht nur Musen, sondern kreative Partner- und Impulsgeberinnen, und sie prägten Brechts künstlerischen Weg entscheidend: als Mitautorinnen, Spielerinnen, Kritikerinnen und kreative Partnerinnen.

Die szenische Lesung „Brecht, eine große Liebe!? – Paula Banholzer erzählt“ mit Julia Moßburger am Mikrofon und Benedikt Ofner am Flügel rückte Brechts erste große Liebe zu Paula Banholzer in den Mittelpunkt. Stationen dieser Liebesbeziehung zu Brecht vom ersten Kennenlernen bis zum Beziehungsende wurden aus Paula Banholzers Perspektive beleuchtet. Die Schauspielerin Julia Moßburger verlieh ihr eine Stimme: mitreißend und ausdruckstark, kokett und leidenschaftlich. Die Texte von Paula Banholzer stammten aus dem von ihr verfassten Buch „So viel wie eine Liebe – Ungeordnetes Verhältnis mit Bert Brecht“. Außerdem interpretierte Moßburger mit viel Humor und wechselnder Mimik Gedichte und Lieder von Brecht neu und verband in fließendem Übergang das gesprochene Wort mit musikalischen Elementen.

Kleinkunst, Theater, Schauspiel, Gesang: das Publikum erlebte eine eindrucksvolle Verschmelzung verschiedener Ausdrucksformen, bei der stimmliche Nuancen und eine lebendige Gestik einen tiefgründigen Zugang zu den Texten ermöglichten. Mit erstaunlicher Bühnenpräsenz und feinem Gespür für komplexe Emotionen führte Julia Moßburger die Zuhörenden durch ein facettenreiches Programm, das mit authentischer Intensität berührte. Nach langem Applaus und drei Zugaben war diese atmosphärisch dichte Darbietung ein überraschend schöner Abschluss des diesjährigen Ulmer Lyriksommers.

Die szenische Lesung fand am 21. November 2025 im Club Orange des Einsteinhauses statt. Sie wurde gefördert von der Stadt Ulm und von Dichter dran e.V. in Kooperation mit der vh Ulm organisiert.

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